Kuriose Verkehrsregeln sind bei Weitem nicht alles, was europäische Autofahrer in Asien erwartet. Nein, vielmehr ist es der kuriose Verkehr selbst, der Reisende beschäftigt. Doch selbst das größte Chaos ist mit der richtigen Vorbereitung zu bewältigen. Wir haben die wichtigsten Tipps & Infos zum Verkehr in Asien gesammelt.

Verkehrsrecht in Asien: Die richtige Vorbereitung

Asien entdecken mit dem Mietwagen oder Roller? Klingt doch toll! Aber wer die Erfahrung unterschützt, erlebt oft einen Kulturschock auf vier Rädern, im Osten der Welt läuft nämlich einiges ganz anders, als es europäische Autofahrer gewohnt sind. Wie immer im Verkehrsrecht gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Daher ist es besonders wichtig, sich vor einer Reise nach Asien gründlich über das Verkehrsrecht zu informieren. Und das am besten langfristig, sodass noch genug Zeit ist, um beispielsweise den eigenen Führerschein amtlich übersetzen zu lassen.

Selbstverständlich lassen sich die Verkehrsregeln eines ganzen Kontinents nicht über einen Kamm scheren. Zwischen den einzelnen Ländern und Regionen herrschen massive Unterschiede: Wo es etwa in Japan, Singapur oder Malaysia auf den Straßen sehr geordnet zugeht, ist in Kambodscha, Thailand und Vietnam eher Chaos anzutreffen, zumindest für europäische Augen.

Der letzte Schritt der Reisevorbereitung für den Roadtrip in Asien findet im Kopf statt: Schalten Sie Ihr mitteleuropäisches Verständnis des Straßenverkehrs am besten aus, und stellen Sie sich auf die Verhältnisse an Ihrem Zielort ein. In vielen Ländern Asiens geht es oft weniger darum, was gilt, sondern eher darum, was gängig ist. Deswegen kann es Kopf und Nerven helfen, nicht immer rechthaberisch auf dem Gesetzbuch zu bestehen, sondern situativ richtig zu handeln. Fragen Sie am besten Einheimische, was die ungeschriebenen Gebote in Ihrem Herkunftsland sind, und orientieren sie sich daran. Und natürlich an dem, was Sie tatsächlich auf den Straßen erleben. Auch der Verkehr gehört schließlich zur Kultur Ihres Reiseziels.

Verkehr und Verkehrschaos in Südostasien

Für Europäer wirkt der Verkehr in Südostasien chaotisch – tatsächlich handelt es sich aber meist um eine Art geordnetes Chaos, dessen Regeln nur der geübte Beobachter versteht. Der Eindruck von Durcheinander entsteht oft auch wegen der zahlreichen untypischen Verkehrsteilnehmer: Motorräder, Tuk-tuks, Street Food auf Rädern oder auch freilaufende Tiere gehören oft genug zum Straßenbild.

Was aber ist im Einzelnen an Regeln zu beachten?

Kambodscha: Beim Zuschauen entsteht der Eindruck, es gebe hier gar keine Verkehrsregeln. Manche werden allerdings überraschend stark forciert, z.B. das Gebot von Tagfahrlicht. Also aufgepasst!

Indonesien: Für Touristen unerwartet sind die zum Teil große Geldstrafen für kleine Delikte, etwa für fehlendes Blinken oder ausgeschaltetes Tagfahrlicht.

Philippinen: Im Kampf gegen den Smog gibt es der philippinischen Hauptstadt Manila Fahrerbote an bestimmten Wochentagen, vergeben nach dem Kfz-Kennzeichen.

Singapur: Hier ist es Autofahrern untersagt, Fußgängern näher als 50 Meter zu kommen. Noch kurioser: Seit Februar 2018 darf man in Singapur nur dann ein neues Auto anmelden, wenn man nachweislich ein anderes verschrottet. Grund: Zu viel Stau.

Thailand: In Thailand herrscht eigentlich Linksverkehr, tatsächlich werden die Straßen jedoch gerne kreuz und quer, auf dem Standstreifen, nebeneinander (besonders bei Rollern) oder schlimmstenfalls entgegen der Fahrtrichtung befahren. Abgesehen davon sind andere Verkehrsregeln zumindest auf dem Papier sehr strikt: So ist es etwa illegal, ohne Hemd zu fahren.

Kreuzung in Shanghai, China

Kuriose Verkehrsregeln in Ostasien

Auf den Straßen Ostasiens erwartet Sie viel Vertrautes und manches Fremde – je nach dem, ob das jeweilige Reiseziele in seiner Geschichte einem westlichen Einfluss unterlag oder nicht.

China: Vorsicht, für ausländische Touristen gilt Fahrverbot! Außer, man besteht eine Theorieprüfung vor Ort. Wem das zu viel Aufwand ist, dem bleiben nur Fahrrad oder Chauffeur.

Japan: Fahrerlaubnis hat hier nur, wessen Führerschein in vor Ort erstellter japanischer Übersetzung samt Original vorliegt. Achten Sie außerdem darauf, dass Ampeln meist quer positioniert auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung hängen und nicht selten leicht blaustichig sind. Die Funktion ist abgesehen davon wie gewohnt.

Südkorea: Auf den Straßen der ostasiatischen Republik geht es sehr geordnet zu; die Verkehrsregeln entsprechen weitgehend den unsrigen. Vorsicht ist hauptsächlich bei der Farbwahl des Mietwagend geboten: Mehr als die Hälfte aller koreanischen Autos sind weiß, so auch fast alle Mietautos. Verlieren Sie Ihr Auto also nicht aus den Augen!

Achtung, Autofahrer – Verkehrsregeln in Vorderasien

Alles Wüste? Von wegen: Autofahrer treffen in Vorderasien die unterschiedlichste Infrastruktur an. Und auch einige skurrile Verkehrsregeln:

Katar: Die Katarer sind leidenschaftliche Nutzer ihres gut ausgebauten Straßennetzes, was den Straßenverkehr überdurchschnittlich gefährlich macht. Selbst innerstädtisch sind auf den Straßen der Hauptstadt Doha teils bis zu 100 Stundenkilometer erlaubt.

Saudi-Arabien: Für uns ganz normal, für die Einheimischen kurios bis revolutionär: Ab Juni 2018 dürfen Frauen erstmals in der Geschichte des Landes Autofahren. Das ist nicht nur höchste Zeit, sondern für viele auch ein Aufbruch zu mehr Freiheit.

Vereinigte Arabische Emirate: Klingt wie ein Witz, ist aber wahr: Kamele haben Vorfahrt. Als Statussymbol und Luxusgut sollten Sie für ausgebüxte Tiere immer bremsen.

Straßenverkäufer in Vietnam

Südasien: Besonderheiten für Autofahrer

Viele Besucher Südasiens mieten nicht nur Auto, sondern gleich den Chauffeur dazu. Mit gutem Grund, denn wer selbst fahren will, sollte ein Experte der örtlichen Regeln und Gepflogenheiten sein.

Bangladesch: Weniger Verkehrsregel als Regelwidrigkeit ist es, dass bei Unfällen die Fahrerflucht an der Tagesordnung ist. Schuld daran ist das fehlende Vertrauen in das örtliche Justizsystem. Infolgedessen mieten ausländische Besucher meist ein Fahrzeug mit Fahrer, insbesondere in der turbulenten Hauptstadt Dhaka.

Indien: In vielen Landesteilen sind Kühe heilig und genießen dadurch unbegrenztes Ansehen – und dazu gehört eben auch Vorfahrt auf den Straßen.

Sri Lanka: Auch wenn Touristen mit internationalem Führerschein selbst fahren dürfen, ziehen viele ausländische Besucher einen Mietwagen mit Chauffeur vor: Dieser kennt sich im unübersichtlichen Verkehr aus und ist zudem oft günstig zu haben.