Wenn Ihr Auto zugeparkt wurde, ist das ärgerlich und sorgt oft für lästige Verspätungen. Trotzdem sollten Sie nicht sofort Polizei oder Abschleppdienst rufen.

„Ich drehe schon seit Stunden, hier so meine Runden, es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren, ich finde keinen Parkplatz …“ Herbert Grönemeyer widmete diesem Dilemma vieler Großstädter schon 1984 einen eigenen Song. Heute ist die Situation sogar noch schlimmer. Immer mehr Menschen besitzen Autos, doch die Anzahl der Parkplätze kann da nicht mithalten. So kommt es, dass sich so mancher verzweifelte Fahrer in die kleinste Lücke quetscht oder vor einer Ausfahrt parkt.

Wer sein Fahrzeug aber so parkt, dass andere dadurch behindert werden, handelt laut Gesetz in „verbotener Eigenmacht“. Darunter fällt auch das Zuparken. Wenn Sie dabei der Zugeparkte und somit Geschädigte sind, dürfen Sie diese Eigenmacht beseitigen. Im Klartext: Sie dürfen das falsch parkende Auto entfernen lassen. Aber Vorsicht! Nicht in jedem Fall sollten Sie gleich wütend zum Telefon greifen. In der folgenden Übersicht lesen Sie, wie Sie Ihr Auto am besten befreien.

Zugeparkt auf einem Privatgrundstück

Als Privatgrundstück gilt natürlich Ihr eigenes Grundstück, aber beispielsweise auch ein Supermarktparkplatz. (Gerade dort überwacht oft ein privates Abschleppunternehmen die Parkplätze und nimmt zum Beispiel Autos an den Haken, die außerhalb der Geschäftszeiten dort parken.) Wurden Sie beim Einkaufen zugeparkt, sollten Sie zunächst ein paar Minuten warten. Vielleicht wollte der Fahrer nur schnell etwas besorgen und kommt gleich zurück.

Auf Ihrem eigenen Grundstück kümmert sich weder Polizei noch Ordnungsamt um den Fall. Hier müssen Sie ein privates Abschleppunternehmen anrufen. Die Kosten dafür trägt eigentlich der Falschparker, doch zunächst müssen Sie in Vorleistung treten! Stellt sich heraus, dass der Falschparker zahlungsunfähig ist, bleiben Sie eventuell auf den Kosten sitzen. Mussten Sie aufgrund eines dringenden Termins ein Taxi nehmen, können Sie dafür Schadensersatz verlangen, allerdings nur vom Fahrer. Der ist in vielen Fällen aber schwer zu ermitteln, da der Halter sich darauf berufen kann, nicht selbst gefahren zu sein.

Zugeparkt im öffentlichen Verkehrsraum

Versperrt ein Auto Ihre Ausfahrt, fällt es bereits in den öffentlichen Verkehrsraum. Auch alle anderen Zwickmühlen an Straßen und auf öffentlichen Parkplätzen (falls nicht anders ausgeschildert) fallen in diese Kategorie. Hier sollten Sie wieder einen kühlen Kopf bewahren und zunächst ein paar Minuten warten. Kommt der Fahrer nicht zurück, sollten Sie die Polizei oder das Ordnungsamt verständigen. Die Behörden bewerten die Situation und leiten alle weiteren Schritte ein. Achtung: Wenn Sie beim Versuch, Ihr Auto eigenmächtig zu befreien, Schäden an dem fremden Fahrzeug verursachen, müssen Sie dafür aufkommen. Überschätzen Sie Ihre Rangierkünste also lieber nicht!

Zugeparkt: Allgemeine Tipps

  • Versuchen Sie zunächst, den Fahrer oder Halter des Fahrzeugs zu finden! Oft will er nur schnell etwas erledigen und kommt in wenigen Minuten zurück.
  • Wenn ein Zettel mit Name und Telefonnummer des Fahrers im Auto liegt, rufen Sie unbedingt dort an, bevor Sie andere Maßnahmen ergreifen!
  • Benutzen Sie auf keinen Fall die Hupe, um den Falschfahrer herbeizuholen! Damit begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit.
  • Notieren Sie Datum und Uhrzeit und machen Sie Fotos von der Situation (Kfz-Kennzeichen müssen dabei gut erkennbar sein).

Foto:Anssi Koskinen (Lizenz: CC BY 2.0)