Bei Rot halten, bei Grün fahren: Eigentlich ist an der Ampel doch alles klar geregelt, oder? Trotzdem treten an Lichtzeichenanlagen immer wieder Konflikte auf. Hier finden Sie das richtige Verhalten an der Ampel kompakt erklärt.

Kleine Geschichte der Ampel

Die erste Ampelanlage der Welt stand auf dem Parliament Square in London, wurde 1868 in Betrieb genommen, arbeitete mit Gaslicht und explodierte nach kurzer Zeit. Die ersten elektrischen Ampeln gab es dann in den USA, die ersten dreifarbigen Signalanlagen wurden 1920 in Detroit und New York eingeführt. In Deutschland gibt es übrigens erst seit den 1920er-Jahren elektrische Ampelanlagen, die erste leuchtete 1925 in Hamburg auf.

Alles geregelt

Im offiziellen Amtsdeutsch ist übrigens von Signalgebern einer Lichtsignalanlage beziehungsweise von Lichtzeichenanlagen (Straßenverkehrsordnung) die Rede. Der Einfachheit halber nutzen wir aber den umgangssprachlichen Begriff „Ampel“, der ursprünglich hängende Leuchten (beispielsweise in Kirchen) bezeichnete.

Es gibt Ampeln für Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer – diese bestehen meist aus Lichtzeichen in den Farben Grün, Gelb und Rot. Ampeln für Linienbusse und Straßenbahnen funktionieren mit weißem Licht und unterschiedlichen Symbolen. Grundsätzlich haben die Lichtsignale an Ampeln Vorrang vor den allgemeinen Vorfahrtsregeln, Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen. Erst beim Abschalten der Ampel treten diese in Kraft.

Was die jeweiligen Phasen bedeuten, ist eigentlich klar: Rot verbietet die Einfahrt in die Kreuzung, Gelb zeigt den Wechsel der Ampelphasen an, Grün gestattet die Weiterfahrt. Ganz so einfach ist es aber nicht. Wie Sie sich in der jeweiligen Ampelphase richtig verhalten, lesen Sie hier.

Richtiges Verhalten an der Ampel – bei Rot

Das rote Lichtsignal bedeutet: Die Weiterfahrt ist untersagt, es muss vor der Haltelinie gehalten werden. Ausnahmen sind der sogenannte Grünpfeil oder ein Verkehrsposten, der andere Anweisungen gibt. Der Grünpfeil ist eine Ergänzung an Lichtzeichenanlagen und erlaubt das Abbiegen nach rechts trotz roten Lichtzeichens. Das gilt allerdings nur, wenn der abbiegende Fahrer zunächst an der Haltelinie angehalten hat und eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

Ein weiterer Sonderfall besteht, wenn sich ein Fahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn nähert. Denn dann gilt: Sofort freie Bahn schaffen! Hierzu kann es nötig sein, dass das vorderste Fahrzeug an einer roten Ampel die Haltelinie überfährt, um Platz zu machen – natürlich nur sehr vorsichtig.

Ansonsten gilt: Wer bei rotem Signallicht die Haltelinie überfährt, begeht einen Rotlichtverstoß – und das kann teuer werden! Wer das Fehlverhalten bemerkt und sofort nach Überfahren der Haltelinie anhält oder zurücksetzt, kann allerdings nur wegen Missachtung einer Haltelinie belangt werden. Ein echter Rotlichtverstoß mit Einfahren in die Kreuzung geht allerdings richtig ins Geld. Mindestens 90 Euro und 1 Punkt in Flensburg werden fällig, bei Gefährdung sogar 200 Euro, 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot. Ist die Ampel bereits länger als eine Sekunde rot, sind es sogar 320 Euro, 2 Punkte und ein Monat Fahrverbot bei Gefährdung!

Was aber tun, wenn die Ampelanlage dauerhaft das rote Signal zeigt? Zunächst einmal ist eine angemessene Zeit abzuwarten, um sicherzustellen, dass die Ampelanlage tatsächlich defekt ist. Danach können sich die beteiligten Verkehrsteilnehmer verständigen, wer fahren darf. Dies muss eindeutig mit Handzeichen geschehen, notfalls müssen sie einen Passanten um Hilfe bitten. Auf das Eintreffen der Polizei müssen Sie nicht warten, allerdings sollte jemand die defekte Anlage bei der örtlichen Polizeidienststelle melden.

Richtiges Verhalten an der Ampel – bei Gelb

Die gelbe Ampelphase ist wohl die umstrittenste: Viele Autofahrer sehen in ihr eine verlängerte Grünphase und geben nochmal richtig Gas. Korrekt ist das allerdings nicht! Bei Gelb darf nur dann weitergefahren werden, wenn mittleres Bremsen das Fahrzeug nicht mehr vor der Haltelinie zum Stehen gebracht hätte. Wer bei Gelb stark bremst, handelt deshalb in aller Regel korrekt. Fährt ein nachfolgendes Fahrzeug auf, ist der Führer des auffahrenden Fahrzeugs in den meisten Fällen der hauptschuldige Unfallverursacher, da er nicht genügend Sicherheitsabstand gewahrt hat.

Gelbes Blinklicht zeigt an, dass die Ampelanlage abgeschaltet ist – in Deutschland ist es meist nur auf den Ampelseiten geschaltet, an denen Vorfahrt gewähren gilt. Es gelten dann die ausgewiesenen Verkehrszeichen oder, wenn diese fehlen, die allgemeinen Vorfahrtsregeln (rechts vor links).

Richtiges Verhalten an der Ampel – bei Grün

Juhu, freie Fahrt – oder? Nicht ganz, denn ein grünes Ampelsignal entbindet nicht von der Sorgfaltspflicht. Sind zum Beispiel noch Verkehrsteilnehmer aus der vorherigen Ampelphase auf der Kreuzung, haben sie zunächst Vorfahrt. Beim Abbiegen gilt besondere Aufmerksamkeit auf kreuzenden Gegenverkehr, Radfahrer und Fußgänger.

Was aber, wenn die Kreuzung frei und die Ampel grün ist, der Vordermann aber trotzdem nicht fährt? In einem solchen Fall von „Grüner wird’s nicht“ nutzen viele Autofahrer das Hupsignal zur Aufforderung. Ist zwar naheliegend, aber nicht erlaubt. Zudem erlaubt das grüne Lichtsignal zwar die Weiterfahrt, verpflichtet aber nicht dazu. Der Schnarcher vor Ihnen handelt also nicht gesetzeswidrig. Wer allerdings grundlos den Verkehr aufhält, kann ebenfalls verwarnt werden.

Verletzter Stolz und wütender Protest

Kurios: In Syracruse, New York, gibt es eine Ampel mit umgekehrter Farbreihenfolge. Diese ungewöhnliche Montage ist Folge von fortwährendem Vandalismus. Angeblich fühlte sich die irischstämmige Bevölkerung dadurch diskriminiert, dass das grüne Lichtsignal ganz unten angeordnet war – Grün ist die Nationalfarbe der Iren. Deshalb wurde die Ampel immer wieder zerstört, bis die Farbreihenfolge kurzerhand umgedreht wurde und Ruhe herrschte.

Proteste aus der Bevölkerung führten auch dazu, dass das Ost-Ampelmännchen nach der deutschen Wiedervereinigung nicht verschwand. Stattdessen wurde die Richtlinie für Lichtsignalanlagen dahingehend geändert, dass nun auch das Ost-Ampelmännchen regelkonform war. Mittlerweile verwenden auch einige westdeutsche Städte den von Karl Peglau erfundenen Mann mit Hut. Außerdem erschien 2000 im Sinne der Gleichberechtigung das „Ampelmädchen“ mit Rock und Zöpfen. In Mainz gibt es sogar eine Fußgängerampel, die Mainzelmännchen statt Ampelmännchen zeigt.

Vielleicht können Sie sich bei der nächsten langen Rotphase einfach an diese Kuriositäten erinnern und der kleinen Pause etwas gelassener begegnen. Gute Fahrt!